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Schlauchmagen bei Adipositas

500. Schlauchmagen-Operation am Klinikum Vest

Die Menge ist schier unvorstellbar: So viele Kalorien wie in knapp 800.000 Hamburgern haben die Patienten bereits verloren, die sich in den letzten Jahren bei Prof. Dr. med. Martin Büsing operiert haben lassen. Der Adipositas-Spezialist am Klinikum Vest in Recklinghausen hat jetzt seine 500. Patientin vorgestellt, die einen so genannten "Schlauchmagen" erhalten hat.

Während des gut einstündigen Eingriffs wurde der übergewichtigen Patientin aus Aachen ein Großteil ihres Magens entfernt. Zurück blieb ein schlauchförmiger Rest-Magen ("Schlauchmagen"), der gerade mal noch 150 ml Nahrung fasst. Abnehmen wird damit zwangsläufig leichter, weil der Magen nur noch begrenzte Mengen aufnehmen kann und der Patient eher ein Sättigungsgefühl verspürt. "Nach der Operation verlieren die Patienten im Schnitt 70 Prozent ihres Übergewichts. Unser derzeitiger Rekordhalter hat seit September 2010 über 160 Kilo abgenommen", sagt Prof. Büsing, dessen Klinik sich als eine von bundesweit nur zwei Einrichtungen "zertifiziertes Referenzzentren für Adipositas- und metabolische Chirurgie" nennen darf.

Der "Schlauchmagen"-Eingriff wird in der Regel über winzige Schnitte am Bauch vorgenommen und ist eine Möglichkeit, adipösen, also krankhaft-fettleibigen Menschen zu helfen. "Die Patienten dürfen sofort nach der Operation etwas trinken, wenngleich das natürlich oft nur minimale Mengen sind", sagt Prof. Büsing. Die Komplikationsrate bei dieser Art von Eingriff liege bei unter einem Prozent, weshalb die Patienten auch bereits drei bis vier Tage

(Foto: Prof. Büsing skizziert, wo der Magen
abgetrennt wird. Zurück bleibt ein "Schlauch")

nach der Operation bereits wieder entlassen werden. Patienten aber, die so weit gekommen sind, haben einen langen Weg hinter sich. Und der beginnt oft viele Jahre früher.

Betroffene scheuen oft den Besuch beim Arzt

Aus Angst vor Hänseleien und bösen Blicken ihrer Mitmenschen kapseln sich fettleibige Menschen oft von ihrer Außenwelt ab, leiden still zu Hause. Sie scheuen den Besuch beim Arzt, trauen sich aufgrund ihrer Körperfülle in keine Sportgruppen und meiden jegliche Form der Unternehmung. Deshalb ist im Rahmen des "multimodalen Therapiekonzeptes" neben dem rein operativen Eingriff immer auch eine physio-, ernährungs- und psychotherapeutische Behandlung nötig, die in enger Abstimmung mit niedergelassenen Ärzten, Sport- und Ernährungsexperten geschieht. Könnte diese Hürde der Grund sein, weshalb es in Deutschland so wenige Adipositas-Operationen gibt?

Über 200.000 Adipositas-Eingriffe pro Jahr in den USA

In der Tat liegt Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern und den USA weit abgeschlagen. Während hierzulande gerade mal rund 4.000 Adipositas-Eingriffe pro Jahr vorgenommen werden, sind es bei den Nachbarn in Belgien

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bereits 12.000, in Frankreich 35.000 und in den USA schätzungsweise mehr als 200.000. Die geringe Zahl in Deutschland ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass es hier vergleichsweise weniger Übergewichtige oder gar Fettleibige gibt. Im Gegenteil.

Jeder Einzelfall wird vom MDK geprüft

EU-weit hat die Wohlstandsnation Deutschland im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Menschen, die übergewichtig oder fettleibig sind. Der Grund für die geringe Zahl an operativen Eingriffen sind die Krankenkassen, die die Kosten für eine solche OP nämlich nicht automatisch übernehmen. "Jeder Patienten ist eine Einzelfallentscheidung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK)", sagt Prof. Büsing. "Patienten müssen eine Menge leisten,

schlauchmagen

damit die Krankenkassen eine Therapie übernehmen. Aus meiner Sicht ist diese Hürde aber auch zurecht so hoch." Seine Erfahrung zeige, dass nur, wer als Patient im Vorfeld einer OP durch konsequente Lebensumstellung seinen eisernen Willen beweise und motiviert sei, auch langfristig Erfolge erleben werde. Es gehe auch nicht nur darum, dem Patienten zu zeigen, was wie viele Kalorien hat. Vielmehr sei es wichtig, den Patienten Richtlinien zu geben, anhand derer sie ihr Leben und ihre Gewohnheiten neu ausrichten können.

(Foto: Oberarzt PD Dr. Markus Utech im
Gespräch mit der 500. Schlauchmagen-Patientin)

Prof. Büsing schätzt, dass die Zahl der Adipositas-Operationen in den kommenden Jahren auf jährlich 30.000 bis 50.000 steigen wird. Immerhin, so Prof. Büsing, würden knapp 1,5 Millionen Menschen in Deutschland die Kriterien erfüllen, die nötig seien, um für eine Adipositas-Operation in Frage zu kommen. Doch müsse sich das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren nicht vor einer Flut an Operationsanträgen fürchten, so Büsing. Entscheidend sei stets, wie hoch der individuelle Leidendruck des Betroffenen, z.B. aufgrund von Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Gelenkverschleiß etc. sei.

Diabetes kann nach der Operation zurückgehen

Ein Nebeneffekt der Schlauchmagen-Operation, so Prof. Büsing, sei, dass in 9 von 10 Fällen die Patienten nach der Operation keine Diabetes-Medikamente mehr nehmen müssten. "Das heißt aber nicht, dass der Diabetes aufgrund anderer Ursachen nicht zu einem späteren Zeitpunkt im Leben wiederkehren kann", ergänzt Prof. Büsing.

Im Vergleich dazu ist weiterer Nebeneffekt der Operation eher "unschön": Wenn die Pfunde nach dem Eingriff gepurzelt sind, bleiben oft Hautlappen am Körper zurück. Die Haut kann sich nämlich in der Regel nicht so schnell zurückbilden, wie die Fettpolster schmilzen. Daher stellen die Spezialisten am Klinikum Vest in einem oder mehreren Folgeeingriffen die Körper-Silhouette wieder her. "Viele Patienten erkennen einen solchen Eingriff als zweite Chance", sagt Prof. Büsing. Oft höre er, wie ihm Patienten Monate später erzählen, dass sie den Wecker stellen müssten, um das Essen nicht zu vergessen.

(Quelle: rrm; Fotos: rrm)

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