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Schlafapnoe ist ein Risiko für das Herz

Atemaussetzer im Schlaf versetzen den Körper in Stress und belasten das Herz-Kreislauf-System

Wiater

Dr. med. Alfred Wiater

Chefarzt der Kinderklinik Porz am Rhein und Leiter des dortigen Kinder-Schlaflabors. Zudem ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.



Herzkreislaufprobleme hängen eng mit dem so genannten „Schlafapnoe-Syndrom“ zusammen. Das kurzzeitige Aussetzen der Atmung während des Schlafes versetzt den Körper nämlich in eine Stresssituation – mit allen negativen Auswirkungen, die ein solcher „Alarm“ auf das Herz und die Gefäße haben kann.

Bei den Schlafapnoe-Patienten kommt es während der Nachtruhe plötzlich dazu, dass der obere Atemweg kollabiert. Es kann also keine Luft und damit kein Sauerstoff mehr in den Körper gelangen. Der Organismus ist regelrecht unterversorgt. Manchmal dauert dieser Zustand nur 10 Sekunden, in schlimmen Fällen kann er aber auch über ein bis zwei Minuten anhalten:

  1. Kommt es zu 15 – 30 Atempausen pro Stunde, sprechen wir von einem mittelschweren Schlafapnoe-Syndrom.

  2. Bei über 30 Atempausen pro Stunde liegt ein schweres Schlafapnoe-Syndrom vor.

Im Schlaflabor beobachten wir bei Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom, dass die Sauerstoffsättigung im Blut während der Atempausen in der Nacht rapide abfällt. Da die Symptome im Wachzustand nicht nachweisbar sind, ist es wichtig, dass diese Patienten ein oder zwei Nächte im Schlaf untersucht werden. Der Sauerstoffmangel ist letztlich dann der Schlüssel zu den Folgeerkrankungen, die daraus entstehen können.

Der Schlafzyklus

Ein Schlafzyklus dauert im Schnitt 90 Minuten. Der gesunde Mensch durchläuft pro Nacht bis zu 6 dieser Schlafzyklen.

Herz-Rhythmusstörungen können Folge des Schlafapnoe sein

Das sogenannte „sympathische Nervensystem“ wird angeregt, was zur besagten Stressreaktion führt. In Folge dessen kann es zu Gerinnungsstörungen und Gefäßveränderungen kommen. Es treten sogar systemische Entzündungsreaktionen an den Gefäßen auf. Das kennt man eigentlich sonst nur von Extrembergsteigern in großen Höhen, in denen es nur unzureichend Sauerstoff gibt. Hier reagiert der Körper durch Entzündung, um so das körpereigene Immunsystem anzuregen. Das ist in unseren hiesigen Höhenlagen natürlich nicht nötig und daher eine Überreaktion. Die Folgen können koronare Herzerkrankungen oder Herzschwäche sein, aber auch Herzrthymusstörungen sind nicht selten. Über Ablagerungen an den Gefäßen können sich Embolien bilden, die letztlich auch einen Schlaganfall hervorrufen können.

Schlafapnoe ist Herzrisiko

Risiko für Verkehrsunfall ist bei Schlafapnoe-Patienten erhöht

Symptome, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, sind vornehmlich der Bluthochdruck, aber auch das Schnarchen. Es kann zudem beim Schlafapnoe-Syndrom zu einer Beeinträchtigung der Sexualfunktion kommen, was uns wieder den Zusammenhang mit den Gefäßen zeigt. Die Durchblutung der Sexualorgane kann durch das Schlafapnoe-Syndrom beeinträchtigt werden. Viele Schlafapnoe-Patienten leiden auch unter Inkontinenz. Das ist hormonell bedingt und hat mit einer Belastung des rechten Herzens zu tun. Deshalb können Substanzen nicht hinreichend wirken, die für die Kontinenz sorgen. Nicht zuletzt das Risiko, einen Verkehrsunfall durch Sekundenschlaf zu verursachen, ist bei Schlafapnoe-
Patienten rund 9 mal höher als bei gesunden Menschen.

Was begünstigt das Auftreten von Schlafapnoe?

Als Therapie der Wahl gilt eine Maske, die die Patienten während der Nacht tragen und die über einen gewissen Druck die Atemwege offen hält.

 

Wissenswertes zum REM-Schlaf

Wir haben im Prinzip zwei Phasen des Schlafes: Zum einen wäre da der sogenannte REM-Schlaf. REM steht als Abkürzung für Rapid-Eye-Movement und meint die unwillkürliche Bewegung der Augen bei geschlossenen Lidern im Schlaf. In dieser Phase ist der Mensch insgesamt eh sehr aktiv, hier träumen und verarbeiten wir, was wir erlebt haben. Der REM-Schlaf ist also wichtig, um das Erlebte im Gedächtnis emotional abzuspeichern. Entsprechend zur REM-Phase heißt der zweite Teil des Schlafs dann Non-REM-Schlaf bestehend aus Leicht- und Tiefschlaf, der u. a. der körperlichen Regeneration dient.

REM-Phase speichert das Erlebte emotional ab

Während des Schlafes durchlaufen wir abwechselnd Perioden des Leicht-, Tief- und REM-Schlafes. Nach etwa anderthalb Stunden kommen wir in die erste REM-Schlafphase, die dann wieder von einer Leicht- und Tiefschlafphase abgelöst wird. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Tiefschlafphasen eher in der ersten Hälfte des Nachtschlafes vorkommen, während wir im zweiten Teil unseres Schlafes vermehrt und länger REM-Phasen erleben.

Während des Schlafes werden Stresshormone ausgeschüttet

Aus einer REM-Phase erwachen wir auch wesentlich leichter, so dass wir uns entsprechend daran erinnern können, was wir geträumt haben. Aber nicht nur in der Nacht, sondern auch über den Tag verteilt haben wir einen gewissen Rhythmus. Es gibt Phasen, in denen wir wacher und müder sind. So ist es nicht verwunderlich, dass es in Phasen, in denen tagsüber der Mensch statistisch gesehen eher müde ist, vermehrt zu Unfällen und auch Todesfällen kommt. Der Schlaf ist übrigens ein durchaus aktiver Vorgang. Zum Beispiel kommt es hier zur Ausschüttung des Stresshormons, aber auch des Wachstumshormon. Deshalb kann es übrigens bei Kindern mit Schlafstörungen auch zu Wachstumsstörungen kommen.

Welche Folgen kann Schlafmangel haben?

Über sieben Millionen Menschen in Deutschland sind von Schlafstörungen betroffen. Das kann mitunter fatale Folgen haben und z. B. zu Herzkreislaufstörungen führen. Auch die Konzentration und die Ausdauer können eingeschränkt sein. 20 Prozent aller Unfälle sind Folge eines Schlafmangels. Alle großen Katastrophen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, sind auf das Einschlafen der Verantwortlichen zurückzuführen – sei es Tschernobyl oder das Unglück des Tankers Exxon Valdez. Das sollte uns zu denken geben.

Der Traumschlaf

Im Traumschlaf sind wir von unseren motorischen Fähigkeiten her völlig inaktiv; das heißt, wir können uns in den Träumen nicht bewegen. Das macht auch durchaus Sinn, da wir ansonsten unsere Träume regelrecht ausleben würden – und das kann je nach Traum für den Bettnachbarn gefährlich werden.


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Diäten: 03.07.2012, Auf und nieder immer wieder. Diät - neueste Erkenntnisse, PD Dr. Georg Kunz, Klinik für gynäkologie und Geburtshilfe, St.-Johannes-Hospital. Ab 18.30 Uhr bieten wir einen "kleinen Gesundheitscheck" an. 19.30 Uhr beginnen die Vorträge.


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