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Endometriose

Schmerzen beim Sex

Über lange Zeit war Geschlechtsverkehr für die heute 26-jährige Lisa M. eine schmerzhafte Qual. Deshalb hatte sie jegliche Lust am Sex verloren und schreckte schon bei einer Umarmung ihres Freundes zurück, aus Angst, er könnte mehr wollen. Da Lisa auch während der Menstruation starke Schmerzen hatte, dachte ihre Frauenärztin an Endometriose [gutartige, aber schmerzhafte chronische Veränderung der Gebärmutterschleimhaut; Anm. d. Red.]. Die

Darm

Thema Schmerz

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durchgeführte Bauchspiegelung bestätigte diesen Verdacht allerdings nicht. Lisas Verzweiflung wuchs und sie glaubte schließlich, dass ihre Schmerzen Ausdruck eines psychischen Problems seien oder dass in der Beziehung zu ihrem Freund etwas nicht stimmen würde. Und tatsächlich ging ihre Partnerschaft schließlich in die Brüche – nicht zuletzt deshalb, weil es im Bett nicht mehr klappte.

Entzündungsreaktionen, Vernarbungen und Schmerzen sind die Folge

„Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können ganz unterschiedliche Ursachen haben“, sagt Dr. Frank Piczlewicz, Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Elisabeth-Krankenhauses Essen. „Schildert eine Patientin dieses Problem, muss man immer auch die Möglichkeit einer rektovaginalen Endometriose in Betracht ziehen. Diese Sonderform der Endometriose ist nur sehr schwer zu diagnostizieren und wird – wenn überhaupt – häufig sehr spät entdeckt.“ Die Endometriose ist eine Erkrankung, bei der sich Gewebe, welches der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb des Organs ansiedelt. Die Gewebeinseln werden ebenfalls durch die Eierstockhormone gesteuert und unterliegt somit dem Monatszyklus. Sie wachsen zu Herden und Knötchen heran und bluten während der Menstruation ab. Entzündungsreaktionen, Vernarbungen und Schmerzen sind die Folge. Die auftretenden Probleme verstärken sich im Laufe der Jahre. Unter Einnahme der Anti-Baby-Pille können sich die Beschwerden manchmal verbessern, da die darin enthaltenen Hormone das Wachstum der Endometriosezellen hemmen. Dr. Piczlewicz: „Endometrioseherde können in den unterschiedlichsten Bereichen des Körpers wachsen. Am häufigsten sind das Bauchfell, die Eierstöcke und Eileiter, die Gebärmutterbänder und -muskulatur betroffen. Hier lässt sich die Erkrankung in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung diagnostizieren.“

Nicht einsehbar - weder durch eine vaginale Untersuchung noch bei einer Bauchspiegelung

Anders ist es, wenn Endometrioseherde im so genannten Septum rektovaginale auftreten. „Diese Bindegewebsschicht zwischen Scheide und Rektum ist weder durch eine vaginale Untersuchung noch bei einer Bauchspiegelung einsehbar“, so Dr. Piczlewicz. „Das macht die Diagnose der Erkrankung so schwer.“ Die Symptome der rektovaginalen Endometriose können starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blutungsstörungen, Unterbauchschmerzen sowie Beschwerden beim Stuhlgang sein. Die auftretenden Probleme lassen sich durch den Druck der Knoten selbst, deren Nähe zu den Nerven sowie die Mitbeteiligung der Nachbarorgane erklären. Die Stärke der Schmerzen hängt dabei nicht unbedingt von der Größe der Endometrioseherde ab, sondern vielmehr von ihrer Lage.

Das Ertasten der charakteristischen Knoten sowie Schmerzreaktionen während der Untersuchung lassen auf das Vorhandensein einer rektovaginalen Endometriose schließen. „Nicht selten entdeckt man bei der vaginalen Untersuchung auch bläuliche Läsionen im hinteren Scheidengewölbe. Manchmal ist außerdem die Gebärmutter leicht nach hinten geneigt“, erläutert der Gynäkologe aus Essen. „Die Untersuchung sollte möglichst während oder kurz nach der Regelblutung durchgeführt werden. Dann tastet man die Knoten zwischen Scheide und Enddarm am besten. Durch rektales Abtasten lassen sich die Befunde besser abgrenzen.“ Mittels Ultraschall sind die Endometrioseherde im kleinen Becken nicht gut darstellbar; mithilfe der Magnetresonanztomographie lassen sich große Knoten jedoch nachweisen. „Eine rektovaginale Endometriose bedeutet für betroffene Patientinnen oft einen langen Leidensweg von der Diagnosestellung bis zur adäquaten Therapie“, weiß Dr. Piczlewicz. „Viele der Frauen sind frustriert, wenn die Ursachen für ihre Schmerzen nicht gefunden werden. Und nicht selten führt eine solche ungewisse Situation dann zu ernsthaften Problemen in der Partnerschaft.“

Ziel jeder Endometriose-Operation ist es, die Herde möglichst vollständig zu entfernen

Die endometrialen Ansiedlungen sind in der Regel gutartig. Da die Erkrankung nur schwierig medikamentös zu behandeln ist, gilt die chirurgische Entfernung eines ausgeprägten Befundes als effektivstes Therapieverfahren. „Ziel jeder Endometriose-Operation ist es, die Herde möglichst vollständig zu entfernen“, so Dr. Piczlewicz. „Dabei ist die rektovaginale Endometriose eine der am schwierigsten zu behandelnden Formen der Erkrankung und stellen für den Operateur eine besondere Herausforderung dar. Welches Operationsverfahren Anwendung findet, ist abhängig von der Ausdehnung des Befundes, vom Alter der Patientin und von noch vorhandenem Kinderwunsch. Ein kombiniertes vaginal-laparoskopisches Vorgehen erlaubt zumeist die komplette Entfernung aller Endometrioseherde im kleinen Becken.“ Neben den schwierigen technischen Aspekten der Operation besteht immer das Risiko, Nerven, die für Blasen-, Darm- und Sexualfunktionen zuständig sind, während des Eingriffs zu verletzen. Sollte der Verdacht bestehen oder Voruntersuchungen konkret ergeben haben, dass die Erkrankung sich bereits auf Organe wie Darm, Blase, Harnleiter ausgedehnt hat, wird der erfahrene Gynäkologe einen Chirurgen bzw. Urologen zum Eingriff hinzuziehen. „Eventuell müssen einige Patientinnen nach der Operation noch für eine gewisse Zeit Hormonpräparate einnehmen,“ erläutert Dr. Piczlewicz. „Nahezu alle Frauen sind jedoch postoperativ beschwerdefrei und gewinnen ein großes Stück Lebensqualität zurück.“

Auch bei Lisa M. wurden schließlich Endometrioseherde im Septum rektovaginale gefunden. Vor der ihr bevorstehenden Operation hat sie zwar ein wenig Angst, trotzdem ist sie aber froh, dass sie nun endlich weiß, woher ihre Schmerzen kommen.

(Quelle: EKE; red. Überarbeitung: rrm)

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