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Vom Dekolleté zum Zeh-kolleté *

Klaus Mann

Adrian K. Wiethoff

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie; zertifizierter Fußchirurg; Praxisgemeinschaft Kö-Aesthetics, Düsseldorf

rheinruhrmed: Hr. Wiethoff, Sie haben sich als Plastischer Chirurg auf die Fußchirurgie spezialisiert. In den USA soll es Patienten geben, die sich den kleinen Zeh abnehmen lassen, um besser in Designer-Schuhe hineinzupassen. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Wiethoff: Das ist natürlich hochgradig unseriös, wenn dem tatsächlich so ist. Ich habe davon auch nur einmal in einem Life-Style-Magazin-Beitrag gelesen, kann mir aber auch kaum vorstellen, dass das tatsächlich gemacht wurde. Sicher, es mag Fälle geben, in denen der kleine Zeh aufgrund von zu engen, spitz zulaufenden Schuhen derart deformiert ist, dass der Patient von starken Schmerzen geplagt ist und sich wünscht, er wäre den Zeh los. Aber selbst dann gibt es zum Glück andere Wege als den Zeh zu amputieren.

rheinruhrmed: In Deutschland haben wir uns ja inzwischen an Busen-Vergrößerung, Fettabsaugen usw. gewöhnt. Kommt jetzt das Fuß-Lifting, also nach dem Dekolleté das Zeh-kolleté?

Wiethoff: Ein schönes Wortspiel! Sagen wir es mal so: Deutschland ist da noch nicht ganz so weit, wenngleich natürlich auch hier schon seit hundert Jahren Eingriffe wie etwa beim Hallux valgus (Schiefstand der großen Zehe, auch: Ballenzeh; Anm. d. Red.) vorgenommen werden. Viele Menschen lassen sich hier aber erst an den Füßen operieren, wenn sie es vor Schmerzen nicht mehr aushalten können. In den USA hingegen ist es bereits seit längerem ein Trend, sich neben Nase, Brust oder Bauch selbstverständlich auch die Füße machen zu lassen. Denn gerade im Sommer, wenn Sandalen und Flip-Flops getragen werden, stören sich viele Menschen am Aussehen ihrer Füße.

rheinruhrmed: Was lässt sich denn am Fuß ästhetisch aufbessern?

Wiethoff: Eine ganze Menge. Neben der operativen Korrektur aller möglichen Zehenfehlstellungen können Sie Füße dauerhaft enthaaren, Sie können im Bereich der Fessel Fett absaugen, Besenreiser mit IPL (hochenergetisches Blitzlicht; Anm. d. Red.) behandeln, Überbeine und Dornwarzen entfernen oder auch schmerzende Druckstellen unter oder über den Zehengelenken unterspritzen – das dann meist aber eher als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ vor einem eigentlich nötigen operativen Eingriff. Oder denken Sie an das Volksleiden Schweißfüße: Die können effektiv mit Botulinumtoxin behandelt werden. Eine Methode, wie sie ja bereits auch schon z. B. bei übermäßiger Schweißbildung unter den Achseln angewandt wird. Dabei wird das Botulinumtoxin unter die Haut gespritzt – mit dem Ergebnis, dass es die Aktivität der Schweißdrüsen hemmt.

rheinruhrmed: Zeh-Fehlstellungen wie besagter Hallux valgus dürften aber sicherlich derzeit doch noch eher Ihren Berufsalltag bestimmen, oder?

Wiethoff: Sicherlich ist die Welle der Fuß-Schönheitskorrekturen aus den USA noch nicht wirklich zu uns herübergeschwappt, aber auch hier ist all das möglich. Und immer mehr Patienten wünschen nicht nur eine gute OP, sondern legen auch Wert darauf, dass man später kaum Narben sieht. Daher gebe ich mir besondere Mühe, die Schnitte an unauffällige Stellen zu legen und die Nähte so fein zu gestalten, wie es in der Plastischen Chirurgie üblich ist. In meiner Praxis arbeite ich außerdem eng mit einer Podologin (Anm. d. Red.: staatlich geprüfte Fußpflegerin) zusammen, die auch von ihrer Seite aus alles dafür tut, die Füße gepflegter und ansehnlicher werden zu lassen. Was den Hallux valgus angeht: Gerade Frauen schämen sich häufig für diese Verformung am Zehballen, die genetisch bedingt ist oder z. B. durch häufiges Tragen hochhackiger Schuhe entstehen kann. Wenn dann das Tragen von Einlagen, Schienen etc. nicht weiterhilft, kann der Hallux valgus operativ behandelt werden. Ist der Schiefstand erst einmal vorhanden, reicht es nämlich meist doch nicht mehr aus, einfach nur auf bequemere Schuhe umzusteigen. Die Sehnen, die unter und über dem Zeh entlang laufen, verstärken durch ihre natürliche Zugkraft über Jahre hinweg die Fehlstellung. Häufig sind dann Entzündungen und eine weitere Verdickung des Knochens an dieser Stelle, und letztendlich entsteht häufig eine Arthrose (Gelenkverschleiß) durch die unnatürliche Stellung.

rheinruhrmed: Nun leiden viele Menschen auch unter so genannten „Hammerzehen“, also einer krallenartigen Verformung der übrigen vier Zehen. Wie kann hier nachgebessert werden?

Wiethoff: Es ist relativ leicht, diese Fehlstellung zu korrigieren. Eine Möglichkeit besteht darin, dem Patienten unter örtlicher Betäubung am Zeh-Gelenk ein kleines Stückchen Knochen zu entfernt, so dass die Zehe wieder Platz hat, sich sozusagen „auszustrecken“. Man kann diesen kleinen Teil der Zehe auch versteifen, um dauerhaft Ruhe zu haben. Das ist übrigens nicht weiter schlimm, da die Beweglichkeit der kleinen Zehengelenke keine besondere Rolle mehr im täglichen Leben spielen; wir brauchen sie weder für den sicheren Stand noch – wie unsere Vorfahren – dazu, um uns an Ästen in Bäumen festkrallen zu können. Nach dem Eingriff wird die Zehe mit einem Draht geschient, so dass sie in den zwei Wochen danach in ihrer neuen, geraden Stellung ausheilen kann. Die Patienten müssen während dieser Zeit mit einem Spezialschuh laufen, der an der Sohle so konstruiert ist, dass er das Abrollen vorne verhindert. Anschließend wird der Draht einfach aus dem Zeh gezogen.

rheinruhrmed: Tut das nicht weh?

Wiethoff: Das ist eine Frage, die ich häufiger von Patienten höre. Aber, nein, das tut in der Regel überhaupt nicht weh, obwohl es für manche brutal klingen mag.

rheinruhrmed: Was raten Sie, damit es erst gar nicht zu solchen Verformungen kommt?

Wiethoff: Da bleibt nur zu sagen: Nicht nur High Heels oder Ballerinas tragen, sondern häufiger mal die Absatzhöhe wechseln, um eine dauerhaft gleiche Belastung der Füße zu vermeiden. Zudem sollte man auch immer wieder barfuß laufen. Das trainiert die gesamte Fußmuskulatur und beugt so Deformierungen vor.


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