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Krampfader-Entfernung per Laser oder Radiofrequenzsender: Weniger Blutergüsse als beim Strippen*

May

Dr. med. Thomas May

Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Porz am Rhein in Köln; Facharzt für Gefäßchirurgie und Allgemeinchirurgie

rheinruhrmed: Dr. May, es gibt neue Methoden in der Krampfader-Therapie. Neben dem klassischen Entfernen der ausgeleierten Venen (Stripping) kann das Gefäß auch wirksam behandelt werden, ohne dass es aus dem Körper entfernt werden muss. Wie geht das?

Dr. May: Wir arbeiten hierbei mit einer winzigen Sonde, die wir über einen kleinen Einstich am Unterschenkel unterhalb des Knies in die Vene von unten nach oben einführen. Am Kopf dieser Sonde befindet sich - je nach Technik - entweder ein Laser oder eine Radiofrequenzsender, die natürlich speziell für den Umfang der Vene ausgelegt ist. Durch das Licht bzw. die Radiofrequenz zieht sich die Vene zusammen und wird quasi von innen nach und nach verschweißt, ohne dass man die Vene rausziehen muss.

rheinruhrmed: Welche Vorteile hat diese Methode?

Dr. May: Es gibt kaum Blutergüsse, schließlich werden im Gegensatz zum Strippen keine Adern abgerissen. Es blutet also weniger, da kein Restkanal bleibt und es nicht zu Einblutungen kommen kann. Die Patienten sind schneller wieder fit, zudem ist der Eingriff kosmetisch günstiger, da man sich einen zusätzlichen Schnitt in der Leiste spart. Aber auch beim Strippen, also dem Entfernen der Venen aus dem Bein, sind diese Blutungen nur anfangs, weshalb der Patient kurz nach dem Eingriff einen Kompressionsstrumpf tragen muss. Im Endeffekt, nach einigen Wochen, ist das Resultat aber in beiden Fällen gleich. 

rheinruhrmed: Nun sind diese Verfahren mit Laser und Radiofrequenz ja noch relativ neu ...

Dr. May: Das stimmt, und vom Ergebnis her sind sie vergleichbar mit den Ergebnissen herkömmlicher Verfahren. Sie sind also nicht überlegen oder besser. Von daher muss der Patient die neuen Methoden auch in vielen Fällen selbst bezahlen, wenngleich es bereits einige Krankenkassen gibt, die die Kosten übernehmen.

rheinruhrmed: Wie hoch sind die Kosten?

Dr. May: Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 1500€ pro Bein.

rheinruhrmed: Können sich einmal aufgetretene Krampfadern auch wieder von allein zurückbilden?

Dr. May: Nein, Krampfadern sind irreversibel. Der Körper schafft es nicht, einmal "ausgeleierte" Krampfadern wieder in Form zu bringen. Die Erkrankung schreitet also fort, wobei es natürlich Begleiterscheinungen gibt, die ein Fortschreiten leider begünstigen.

rheinruhrmed: Welche Begleiterscheinungen sind das?

Dr. May: Dazu gehört sicherlich längeres Stehen, denken Sie etwa an Verkäufer in einem Geschäft, die dies berufsbedingt machen müssen. Aber auch längere sitzende Tätigkeiten können ein Krampfaderleiden verschlimmern. Familiäre Veranlagung zu Krampfadern kann ebenso dazu beitragen. Das heißt, wenn Vater oder Mutter Krampfadern hatten, liegt eine gewisse genetische Wahrscheinlichkeit vor, dass auch die Kinder daran erkranken.

rheinruhrmed: Spielt das Geschlecht dabei auch eine Rolle?

Dr. May: Generell sind Frauen häufiger als Männer davon betroffen. Schwangerschaften spielen nämlich eine entscheidende Rolle. Das heißt, je mehr Geburten eine Frau hatte, desto wahrscheinlicher sind Krampfadern. Im Grunde genommen sind Krampfadern ein chronischer Prozess, der individuell sehr unterschiedlich verlaufen kann. Manche kriegen sie gar nicht, andere bereits in jungen Jahren.

rheinruhrmed: Können nach einer Therapie erneut Krampfadern auftreten?

Dr. May: Das ist durchaus möglich. Man wird schließlich immer nur die Venen-Bereiche behandeln oder entfernen, die krank sind. Alle anderen Venen können aber natürlich auch Krampfadern bilden. In ganz seltenen Fällen kann es sogar an der gleichen Stelle zu Krampfadern kommen, nämlich dann, wenn die Venen nicht gezogen (gestrippt), sondern nur verödet wurden und diese einmal verschweißten Gefäße teilweise wieder aufgehen.

rheinruhrmed: Selbst bei gestrippten Venen soll es aber an der gleichen Stelle schon zu erneutem Auftreten von Krampfadern gekommen sein. Wie ist das möglich?

Dr. May: Zunächst einmal gar nicht, weil die betroffene Vene ja entfernt wurde. Es kann aber in Einzelfällen so sein, dass die entsprechende Vene zweifach durch das Bein läuft, also im Oberschenkel eine Verzweigung hat. Dann wurde vielleicht beim Eingriff seinerzeit nur der eine Zweig entfernt. Im Ultraschall sieht man das aber inzwischen sehr gut, ob es da noch einen zweiten Strang gibt.

rheinruhrmed: Was passiert, wenn Krampfadern unbehandelt bleiben?

Dr. May: Im schlimmsten Fall kann es im Endstadium zu einem offenen Bein kommen, woran in Deutschland übrigens etwa eine Million Menschen leiden sollen. Diese Menschen haben also Hautveränderungen am Bein samt offener Stellen, die nicht richtig verheilen. Man will natürlich vermeiden, dass es so weit kommt. Aber das ist natürlich meist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen, sondern über mehrere Jahre und Jahrzehnte vonstatten geht.

rheinruhrmed: Wie kann man diesen Prozess stoppen?

Dr. May: Wenn man gezwungen ist, immer mal wieder länger zu stehen, sollte man zwischendurch die so genannte Muskelpumpe einsetzen, also die Muskulatur im Bein aktiv anspannen: Füße anziehen, Zehen spreizen, auf die Zehenspitzen stellen usw. Dadurch wird die Stauung gelöst und der venöse Abfluss verbessert . Ganz schlecht sind übrigens hohe Schuhe bei Frauen, auch wenn das dem Schönheitsideal entsprechen mag. Hohe Schuhe machen es schließlich nahezu unmöglich, die Wadenmuskelpumpe zu aktivieren. Wenn man bereits extreme Veränderungen an den Beinen hat, sollte man sich auch nicht intensiv in die Sonne legen. Wärme kann kontraproduktiv sein.

rheinruhrmed: Wo wir gerade bei der Temperatur sind: Wie sieht es mit kalten Güssen aus?

Dr. May: Ja, warm-kalt Bäder können das Gewebe kräftigen. Aber auch das bewirkt maximal, dass die Erkrankung nicht so schnell fortschreitet bzw. vielleicht sogar zum Stillstand kommt. Die Krampfadern werden dadurch aber nicht rückgängig gemacht.

rheinruhrmed: Wie wirkt sich Sport auf Krampfadern aus?

Dr. May: Pauschal kann man leider nicht sagen, dass Sport bei Krampfadern generell gut tut. Natürlich helfen Ausdauersportarten wie Wandern, Schwimmen oder Radfahren. Eher kontraproduktiv sind hingegen maximale Kraftanstrengungen beim Sport, denken Sie etwa an Gewichtheben.

rheinruhrmed: Wenn jemand die Operation scheut, gibt es andere Möglichkeiten der Therapie?

Dr. May: Abgesehen von einer Operation wäre die einzig denkbare Alternative eine durchgängige Kompressionstherapie. Das heißt, der Patient müsste durchgehend Kompressionsstrümpfe tragen. Das will aber natürlich niemand ganzjährig, zumal das bedeuten würde: nicht immer mal morgens für zwei Stunden, sondern ganztägig.

rheinruhrmed: Warum kommt es aufs Jahr gerechnet immer wieder Spitzenzeiten bei der Krampfaderbehandlung, meist im Herbst und im Frühjahr?

Dr. May: Das liegt vor allem daran, dass die Patienten in der Regel nach dem Eingriff zwei bis vier Wochen einen therapeutischen Kompressionsstrumpf tragen müssen. Und wer hat schon gern einen solchen engen Strumpf an, wenn draußen sommerliche 30 Grad herrschen?

- 21.05.2012 -

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