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"Wir stoßen bei Schmerzen den Selbstheilungsprozess durch Mikrostrom an" *

Klaus Mann

Reinhard Weber

Inhaber einer Praxis für Physiotherapie in Essen (seit 1988) und ehrenamtlicher sportphysiotherapeutischer Betreuer der
Football-Mannschaft Assindia Cardinals

rheinruhrmed: Hr. Weber, Sie bieten die Mikrostromtherapie an. Über was für eine Strommenge reden wir da überhaupt?

Hr. Weber
: Die Stromstärke, die ich hier anwende, liegt im Mikro-Ampere-Bereich, das ist also ein Millionstel Ampere, genau die Energiemenge, die auch in unserem Körper fließt.

rheinruhrmed
: Wie wirkt der Mikrostrom?

Hr. Weber
: Der Mikrostrom zielt auf den Zellstoffwechsel ab, der stimuliert wird, und zwar durch die Anregung des so genannten Adenosintriphosphat (ATP). Die Zelle wird aktiviert, so dass die Selbstheilungskräfte des Körpers arbeiten können. Wir stoßen also lediglich den Selbstheilungsprozess mit diesem Verfahren an. Ein anderer Begriff für diese Methode ist übrigens „biologische Zellregulation“. Das, denke ich, sagt auch schon viel.

rheinruhrmed
: Wie kam es zu der Methode?

Hr. Weber
: Angefangen hat das Ganze vor gut 20 Jahren in den USA. Dort wollte man bei Tennisspielern herausfinden, was im Körper bei einem so genannten „Tennisarm“ abläuft. Dazu hatte man den Testpersonen Elektroden an die Muskulatur angelegt, durch die ein schwacher Strom floss. Man wollte also eigentlich was ganz anderes messen. Nur hatte man festgestellt, dass es den Sportlern nach diesen Tests spürbar besser ging. So wurde die Technik

Darm

Thema Schmerz

Ein Schrittmacher gegen Schmerz? Oder doch lieber Mikrostrom? - Lesen Sie alles über Therapien [hier...]

weiterentwickelt. Inzwischen ist die Technik so weit ausgereift, dass sie in der Regel eine gute Wirkung zeigt. Die beste Wirkung erreicht man immer noch bei ganz akuten Beschwerden: je akuter, desto besser. Zum Beispiel im Sport: Sehr viele nationale Verbände und Profi-Vereine arbeiten inzwischen mit diesen Geräten.

rheinruhrmed
: Sie selbst betreuen ehrenamtlich im physiotherapeutischen Bereich eine Mannschaft aus der 1. German Football League im Amercian Football, nämlich die Assindia Cardinals in Essen.

Hr. Weber
: Ja, ich habe das Mirkostromgerät bei Spielen immer dabei. Ich hatte mal einen Spieler, der nach dem Aufwärmen mit Schmerzen zu mir kam. Er war bereits vor dem Spiel wegen Problemen an der Patella-Sehne behandelt worden. Ich habe ihn dann 10 Minuten an das Mikrostromgerät angeschlossen. Anschließend stand er auf und hat gespielt. Gut, es ist sicherlich in gewissem Maße auch eine Kopfsache, deshalb sollte man den Mikrostrom  jetzt nicht als Wundermethode sehen. Heilung sollte und kann eh niemand  versprechen. Aber wenn akut etwas ist, kann man da schon einiges anregen, damit der Schmerz gelindert wird.

rheinruhrmed
: Was heißt eigentlich Schmerz?

Hr. Weber
: Nehmen wir mal an, es hat sich jemand am Knie verletzt. Die Informationen, die von der verletzten Stelle durch die Nerven an das Gehirn geschickt werden, werden dann im Gehirn verarbeitet. Und in der Regel reagiert der Körper dann erst einmal so darauf, dass an der verletzten Stelle die Energieversorgung der Zelle reduziert wird. Der Heilungsprozess ist jedoch auf Energie angewiesen. Diesen Energie-Mehrbedarf können wir mit der Mikrostromtherapie anschieben.

rheinruhrmed
: Aber wenn Mutter Natur den Körper so eingerichtet hat, dass er an dieser Stelle erst mal  blockiert, weil er zum Beispiel mit der körpereigenen Wundversorgung beschäftigt ist, hat das doch sicherlich seinen Sinn.

Hr. Weber
: Das ist natürlich richtig. Bei ganz akuten Fällen, zum Beispiel einem Faserriss, ist es natürlich sinnvoll, dass die Verletzung dem Spieler auch erst mal signalisiert, dass er nicht mehr weitermachen darf – nämlich ganz einfach, um diese Stelle zu schonen. Es dauert aber dann mitunter zu lange, bis die Selbstheilungskräfte einsetzen.

rheinruhrmed
: Inzwischen gibt es doch schon Strom-Therapiegeräte, so genannte TENS-Geräte, beim Discounter zu kaufen …

Hr. Weber
: … das ist aber auch eine ganz andere Methode, da kommen ganz andere Ströme zum Einsatz.

rheinruhrmed
: Gut, aber der normale Kunde wird doch sicherlich denken: „Strom ist in beiden Fällen entscheidend, also leg ich’s einfach mal auf meinen schmerzenden Rücken!“ Ist da die Gefahr des Missbrauchs nicht groß?

Hr. Weber
: Das ist natürlich richtig, deshalb sollte auch vor der Mikrostromtherapie eine Diagnose durch einen Arzt gestellt werden. Zudem sollte jeder, der die Mikrostromtherapie anwendet, seine Grenzen kennen.

rheinruhrmed
: Spürt man denn eigentlich ein Kribbeln durch den Strom?

Hr. Weber
: Es gibt Patienten, die durchaus ein leichtes Kribbeln verspüren. Das ist aber auch sehr unterschiedlich. Ich habe auch Patienten, die gar nichts spüren. Das hängt davon ab, wie der Energiehaushalt im Allgemeinen aussieht.

rheinruhrmed
: Wie werden die Elektroden, durch die dann der Strom in den Körper fließt, angelegt?

Hr. Weber
: Die Elektroden werden rund um die Schmerzstelle angelegt. Zusätzlich wird noch der Lymphabfluss durch einen weiteren Stromkreis angeregt. Auf einer Grafik erkenne ich dann, was sich während der Anwendung tut. Das komplette Programm läuft ungefähr eine halbe Stunde, das ist bei allen gleich. Das Gerät passt dabei automatisch die Widerstände an, denn bei einer Verletzung blockiert der Körper ja an dieser Stelle, so dass der Widerstand recht groß ist. Nimmt die Blockade ab, muss sich natürlich auch der Mikrostrom entsprechend anpassen.

rheinruhrmed
: Wenn also am Ende dieser halben Stunde nur noch wenig Widerstand zu verzeichnen ist, hat die Therapie angeschlagen?

Hr. Weber
: Das kann man so sagen.

rheinruhrmed
: Aber sind die Patienten nicht erst ziemlich skeptisch?

Hr. Weber
: Natürlich, und deshalb biete ich ihnen das erste Mal immer auch kostenfrei an, damit sie die Therapie kennenlernen. Die weitere Vorgehensweise wird dann mit dem Patienten abgesprochen.

rheinruhrmed
: Kann man das denn so pauschal sagen, dass nach dem ersten Mal bereits eine Linderung eintritt?

Hr. Weber
: Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich sagen, das es bei 8 von 10 Patienten anschlägt. Natürlich ist damit nicht gleich eine totale Schmerzfreiheit gemeint, aber der Patient merkt schon, ob es ihm hilft oder nicht.

rheinruhrmed
: Lässt sich ungefähr sagen, wie oft man behandelt werden muss, um den Schmerz weitgehend zu lindern?

Hr. Weber
: Manchmal braucht man nur 3 bis 6 Behandlungen, manchmal auch 10 bis 12. Das hängt vom individuellen Fall ab. Je nach Beschwerdebild kann es auch sein, dass Patienten nach ein paar Monaten wiederkommen und noch mal drei Behandlungen wollen. Aber im Großen und Ganzen bin ich selbst immer wieder oft überrascht, wie gut die Therapie bei dem einen oder anderen anschlägt. Wie bei allen Naturheilverfahren spielt dabei sicherlich auch der Glaube eine gewisse Rolle, aber letztlich zählt ja das Ergebnis.

rheinruhrmed
: Gibt es Nebenwirkungen?

Hr. Weber
: Nein, es sind keine bekannt. Gut, das einzige, was man als Patient besser nicht haben sollte, ist ein Herzschrittmacher. Zumindest nicht, wenn die zu behandelnde Stelle in der Nähe des Herzens liegt. Anders gesagt: Wenn jetzt z.B. das Knie behandelt werden soll, dann geht das sicherlich auch bei Herzschrittmacher-Patienten. Und Schwangere sollten vorsichtig sein, die Therapie anzuwenden. Man weiß schließlich nicht, wie das Ungeborene reagiert.

rheinruhrmed
: Wie lange gibt es die Methode hier in Deutschland?

Hr. Weber: Seit gut zehn Jahren.

rheinruhrmed: Gibt es denn Schmerzen, bei denen es nicht hilft?

Hr. Weber
: Nehmen wir mal einen Bandscheibenvorfall, bei dem die Bandscheibe verrutscht ist und auf einen Nerv drückt. Da lässt sich natürlich durch die Mikrostromtherapie eine kleine Linderung erreichen, aber die eigentliche Ursache, nämlich der Bandscheibenvorfall, ist damit ja nicht behoben. Aber gerade bei allgemeinen Rückenschmerzen, die ja zu 80 Prozent keine klare Ursache haben, lässt sich viel erreichen. Bei Patienten, die ein neues Knie bekommen haben, hat man im Rahmen einer Studie festgestellt, dass sie dank der Mikrotherapie wieder schneller auf den Beinen sind als die Vergleichsgruppe.

rheinruhrmed
: Gibt es noch andere Anwendungsbereiche?

Hr. Weber
: Die gibt es durchaus, etwa im Sport, und da im Bereich der Regeneration. So nutzen etwa Ausdauersportler die Mikrostromtherapie um die Regenerationsphasen zu verkürzen. Aber da habe ich persönlich bislang noch keine Erfahrungen gemacht. Ich hoffe aber, dass sich das bald ändert.

rheinruhrmed
: Übernimmt die Behandlung die Krankenkasse?

Hr. Weber
: nein.

rheinruhrmed: Was kostet eine Sitzung?

Hr. Weber: Je nach dem, zu welchem Therapeuten Sie gehen, kostet sie zwischen 24 und 35 Euro pro Sitzung.


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