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"Die hochenergetische Ultraschall-Therapie ist für Frauen geeignet, die sich noch Kinder wünschen" *

Klaus Mann

Prof. Dr. med. Wolfgang Hatzmann

Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Marien-
Hospital Witten sowie Inhaber des Lehrstuhls für Frauenklinik der Universität Witten-Herdecke

rheinruhrmed: Was sind Myome?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Myome sind gutartige Gewächse aus glatter Muskulatur mit einem mehr oder weniger stark entwickelten Bindegewebsanteil, die an der Gebärmutter entstehen. Das Wachstum der Myome wird durch weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) während der Geschlechtsreife gefördert. Solange eine Frau also Östrogene bildet, etwa ab 11,5 Jahren bis zum ca. 50. Lebensjahr, können sich Myome bilden.

rheinruhrmed: Wie oft kommt es vor, dass sich solche Myome bei einer Frau bilden?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Man muss wissen, dass Frauen im reproduktiven Alter zu rund 30 Prozent Myome haben. Es ist damit also der häufigste gutartige Tumor bei der Frau. In 95 Prozent der Fälle machen die Myome aber keine Beschwerden. Nur in 5 Prozent der Fälle kann es etwa zu Blutungsstörungen, Schmerzen oder auch – je nach Größe des Myoms – dazu kommen, dass andere Organe durch das Myom verdrängt werden. Dann sollte man behandeln, vor allem, wenn die Frau sich noch Kinder wünscht. Denn man sagt, dass von den Patientinnen, die Myome haben, ungefähr die Hälfte erst gar nicht schwanger wird; und die Hälfte von denen, die schwanger wird, muss mit Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten, Frühgeburten, Blutungen usw. rechnen, wenn sie Myome hat.

rheinruhrmed: Sie bieten in Ihrem Myomzentrum eine relativ schonende Therapie an, die Myome entfernt, ohne einen Schnitt anzusetzen. Wie darf man sich das vorstellen?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Wir nutzen hochfokussierten Ultraschall, um das Myom im Körper der Patientin auf 60 bis 80 Grad zu erhitzen, wodurch es dann abstirbt und so keine Beschwerden mehr machen kann. Wir können dabei die Strahlen gebündelt durch die Haut der Patientin schicken, ohne umliegendes Gewebe zu verletzten. Dieses Verfahren wurde hier in Deutschland vor etwa sechs Jahren erstmals in der Charité in Berlin angewendet. Von diesen Geräten, die das ermöglichen, stehen in Deutschland meines Wissens bis heute auch nur drei, und zwar eben an der Charité in Berlin, im Kreiskrankenhaus in Dachau bei München und bei uns.

rheinruhrmed: Sie nutzen also Ultraschall, wie er in jeder Frauenarztpraxis zum Einsatz kommt?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Vom Prinzip her schon, nur der Ultraschall für die hochenergetische Ultraschall-Therapie (MRgFUS) ist um gut 10.000-frach stärker als der Ultraschall, den der Frauenarzt für die Diagnose einsetzt.

rheinruhrmed: Wie läuft die Therapie ab?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Die Frauen liegen auf dem Bauch in einem speziellen Magnet-Resonanz-Tomograph (MRT) von General Electric, das können nämlich nicht alle MRTs. Dann wird von unten mit einem Ultraschallgenerator hochfokussiert und unter der Kontrolle der MRT-Aufnahme dieses Myom Millimeter für Millimeter hitzedenaturiert. Das kann bis zu sechs Stunden dauern. Der Vorteil ist aber, dass so keine Narbe entsteht und dass nach der Therapie – z.B. während einer Schwangerschaft unter der Kraft der Geburtswehen – auch keine Narbe aufbrechen kann. Das ist sonst bei einem operativen Eingriff nicht immer auszuschließen. Deshalb ist die hochenergetische Ultraschall-Therapie gerade für Frauen geeignet, die sich noch Kinder wünschen.

rheinruhrmed: Wo steht dieser Spezial-MRT?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Wir bieten die Behandlung in Kooperation mit einem Radiologen in Bochum an. Die radiologische Gemeinschaftspraxis Rechener Str. liegt ziemlich genau zehn Kilometer von uns entfernt, dort macht das Dr. Plewka. Mit ihm haben wir auch das kooperative Myomzentrum gegründet. Das heißt, die Praxis hat das Gerät für ca. 1,4 Millionen Euro angeschafft und wir übernehmen die Myom-Sprechstunde und entscheiden vorab, welche Patientin für diese Therapie in Frage kommt. Einige Frauen nämlich kommen dafür nicht in Frage, zum Beispiel, wenn ihr Myom über acht Zentimeter groß ist.

rheinruhrmed: Aber nun gibt es ja viele Patienten, die allein bei dem Gedanken an ein MRT, der ja landläufig auch gern „die Röhre“ genannt wird, schon Panik kriegen.

Prof. Dr. med. Hatzmann: Der Kopf bleibt ja draußen. Die Patientin wird mit den Füßen voran in den MRT hineingeschoben. Aber gut, für Patienten, die eine derartig große Platzangst haben, dass sie noch nicht mal mit ihrem Unterleib in der Röhre liegen können, bleibt ja eben noch die herkömmliche Operation. Die kann man ja immer noch machen.

rheinruhrmed: Wie stellen Sie denn sicher, dass sich die Frau während dieser bis zu sechs Stunden nicht bewegt und der Ultraschall somit sein Ziel auch immer Millimeter genau erreicht?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Die Patientinnen haben vor sich so eine kleine Klingel. Wenn irgendetwas zu warm im Bauch wird, brauchen Sie nur auf den Knopf zu drücken – und das MRgFUS-Gerät wird automatisch ausgeschaltet. Der komplette Eingriff läuft zudem unter MRT-Kontrolle ab, das heißt wir wissen zu jedem Zeitpunkt ganz genau, wo der Ultraschall sich im Myom befindet. Wenn der Schall droht, irgendwie daneben zu gehen, wird er ebenfalls automatisch abgeschaltet.

rheinruhrmed: Die Behandlung hört sich alles recht kostspielig an.

Prof. Dr. med. Hatzmann: Na ja, so eine Sitzung kostet schon so ca. 5000 Euro.

rheinruhrmed: Muss eine Patientin denn da etwas zuzahlen?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Das kommt darauf an. In der Regel läuft das so ab, dass wir ein Gutachten erstellen und die Patientin damit dann zu ihrer Krankenkasse geht. Wenn die Krankenkasse auf diesem Wege erfährt, dass für die betroffene Patientin dieses Verfahren das schonendste ist, weil eben noch ein Kinderwunsch besteht, dann wird die Krankenkasse die Kosten auch erfahrungsgemäß immer öfter übernehmen. Zumal die Alternative, eine Operation, auch nur auf den ersten Blick günstiger ist. Eine Operation kostet nämlich ca. 3500 bis 4000 Euro; damit bleibt dann aber das Risiko, dass es während einer Schwangerschaft zu einem Narbenbruch kommt. Und so ein Bruch wird dann letztlich deutlich teurer als die Ultraschall-Therapie.

rheinruhrmed: Woran liegt es denn, dass es nur drei Zentren in Deutschland gibt, die diese Therapie anbieten?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Nun, zunächst einmal sind die Anschaffungskosten für solch ein MRT durchaus hoch. Und dann, sagen wir es mal so: Die Gynäkologen – und ich bin ja selber einer – sind nicht gerade begeistert, eine Myom-Operation zu verlieren und den Eingriff an den Radiologen abzugeben. Aber ich kann ihnen sagen, dass diese Angst unberechtigt ist. Ich beschäftige mich seit 1988 mit Myomen – und die Zahl der Operationen ist eher angestiegen, obwohl wir die Ultraschall-Therapie anbieten. Das mag mit Sicherheit daran liegen, dass sich Patientinnen aus dem ganzen Bundesgebiet bei uns melden. Und es sind nun mal nicht alle Myome für die Ultraschall-Behandlung geeignet.

rheinruhrmed: Abgesehen von der Operation war es vor der Ultraschall-Therapie ja eigentlich nur möglich, Myome mit Medikamenten zu behandeln – allerdings mit eher mäßigem Erfolg, oder?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Ja, wenn wir mit Medikamenten behandeln, dann gibt es da zum einen Gestagene: Sie verursachen sicherlich am wenigsten Nebenwirkungen, wirken aber zugleich auch wenig, vor allem bei Frauen mit Myomen, die noch schwanger werden wollen. Ansonsten gibt es die so genannten GnRH-Analoge: Das ist eine Spritzentherapie, die ungefähr drei bis sechs Monate dauert. Während dieser Therapie wird die junge Frau im Prinzip vollkommen in die Wechseljahre versetzt, sie produziert damit also kein Östrogen mehr – mit dem Ziel, dass das Myom kleiner wird. Wenn die Patientin allerdings schwanger werden will, muss sie mit der Therapie wieder aufhören, und dann wachsen die Myome wieder. Zudem ist die Gefahr auch groß, dass die Patientin Osteoporose [Knochenbrüchigkeit; Anm. d. Red.] bekommt, wenn diese Therapie zu lange gemacht wird. Medikamentös lässt sich also sicherlich vorübergehend etwas machen – aber eben auch nur vorübergehend.

rheinruhrmed: Wie kann ich denn als Patientin und damit als Laie erkennen, ob ich so ein Myom habe?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Symptome für Myome sind z.B. sehr starke oder auch sehr schmerzhafte Regelblutungen und Zwischenblutungen. Viele Myome werden aber auch erst entdeckt, wenn eine Frau mit Kinderwunsch nach erfolglosem Probieren zum Frauenarzt geht und er ein Ultraschallbild erstellt. Im diagnostischen Ultraschall sieht man Myome.

rheinruhrmed: Wenn ein Myom dann per hochenergetischem Ultraschall behandelt worden ist, kommt so ein Myom noch mal wieder?

Prof. Dr. med. Hatzmann: Nein, nicht an dieser Stelle. Aber ich sage es mal so: Ein Myom kommt selten allein. Es kann also irgendwo an der Gebärmutter ein Myom-Kern vorhanden sein, der so klein ist, dass er per Ultraschall noch nicht erkennbar ist. Wenn wir also bei einer Frau ein Myom entfernen, dann sagen wir ihr auch stets, dass sie in den nächsten Monaten schwanger werden sollte. Denn wenn sie dann erst wieder zwei, drei Jahre wartet, könnte es sein, dass sie wieder ein Myom hat.


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