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"Mit der Nierenarterienablation können wir den Bluthochdruck dauerhaft um 19-33 mm/Hg senken" *

Horlitz

Prof. Dr. med. Marc Horlitz

Chefarzt der Kardiologischen Klinik am Krankenhaus Porz am Rhein; Mit-Initiator des Kooperativen Kölner Herzzentrums beidseits des Rheins

rheinruhrmed: Stimmt es, dass nur wenige Bluthochdruck-Patienten richtig eingestellt sind?

Prof. Dr. med. Horlitz: Ja, Bluthochdruck ist sehr verbreitet. Schätzungen zufolge haben ca. 35 Millionen Menschen in Deutschland einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie). Davon sind aber nur etwa zwei Drittel überhaupt erkannte Hypertoniker, das heißt bei ihnen ist die Diagnose gestellt. Und nur knapp die Hälfte von ihnen ist optimal eingestellt. Das heißt, da werden die Zielblutdruckwerte erreicht.

rheinruhrmed: Welche Ursachen sind für einen erhöhten Blutdruck verantwortlich?

Prof. Dr. med. Horlitz: In den allermeisten Fällen ist Bluthochdruck erblich oder durch Alkohol und Übergewicht bedingt. In nur fünf bis zehn Prozent der Fälle gibt es Erkrankungen, die quasi als Nebeneffekt einen Bluthochdruck auslösen. Das sind zum Beispiel Nieren- und Gefäßerkrankungen, etwa Verengungen an den Nierenartieren, aber auch hormonelle Erkrankungen. Auch Medikamente oder Schlafstörungen wie das Schlafapnoe-Syndrom können den Blutdruck erhöhen.

rheinruhrmed: Warum muss ein erhöhter Blutdruck denn überhaupt behandelt werden?

Prof. Dr. med. Horlitz: Damit wir die Langzeitfolgen nach Möglichkeit vermeiden können. Der Bluthochdruck führt nämlich in erster Linie zu Gefäßschäden - und über diese Schäden kommt es an den Organen zu Organschäden, zum Beispiel am Herzen zu einem Infarkt oder zu einer Herzmuskelschwäche. Und an der Niere zu Entwicklung der Nierenschwäche bzw. des Nierenversagens. Aber Hirn kann es zu einem Schlaganfall kommen. Am Auge kann die Netzhaut beschädigt werden, was zu einer Erblindung führen kann.

rheinruhrmed: Wie behandelt man Bluthochdruck?

Prof. Dr. med. Horlitz: Als erstes stehen allgemeine Maßnahmen im Fokus, der Blutdruck sollte also regelmäßig gemessen werden. So lässt sich der Therapieverlauf kontrollieren. Wichtig ist es hierbei, den Empfehlungen des Arztes zu folgen. So sollte etwa ein Normalgewicht angestrebt und übermäßiger Alkoholgenuss vermieden werden. Auch Kochsalz erhöht den Blutdruck, weshalb auch auf den Einsatz von Kochsalz bei der Essenszubereitung zu achten ist. Stattdessen sollten Sie mehr Obst und Gemüse essen und Fette vermeiden. Wenn Fette eingenommen werden, dann sollten Sie darauf achten, dass sie pflanzlich und hochwertig sind. Das Rauchen gehört auch beim Bluthochdruck zu den Risikofaktoren. Deshalb beenden Sie es. Fangen Sie auch mit Sport an. Bewegungen hilft, ebenso wie Entspannung, denn auch Stress erhöht den Blutdruck.


Sofort-Maßnahmen:

Kochsalzzufuhr beschränken: 5-8 mm/Hg

Gewichtsabnahme: pro Kilogramm 1-2 mm/Hg

Ausdauersport: (Zwei bis dreimal pro Woche, jeweils 30 min): 4-9 mm/Hg

Einschränkung des Alkoholkonsums: 2-4 mm/Hg Gesunde Ernährung insgesamt: bis zu 14 mm/Hg



rheinruhrmed: Es gibt doch aber auch Medikamente, die den Blutdruck senken.

Prof. Dr. med. Horlitz: Ja, in den letzten Jahrzehnten sind verschiedene Gruppen von Medikamenten entwickelt worden, die verschieden ansetzen, um den Blutdruck zu senken. Diese Medikamente werden einzeln oder je nach Fall auch in Kombination verschrieben, Es gibt aber auch ein neues medizinisches Verfahren, die so genannte Nierenarterienablation, die gute Ergebnisse bei der Senkung des Blutdrucks erreicht. Diese Therapie eignet sich, wenn trotz Änderung des Lebensstils und drei oder mehr Medikamenten in maximaler Dosierung keine Besserung der Blutdruckwerte einsetzt. Die Behandlung muss dann durch einen Facharzt mit ganz speziellen Kenntnissen in der Blutdrucktherapie erfolgen.

rheinruhrmed: Wie setzt diese Nierenarterienablation an?

Prof. Dr. med. Horlitz: Hierzu ist das autonome Nervensystem zu erwähnen. Es steuert vom zentralen Nervensystem ausgehend die Organfunktion und gliedert sich in den Sympathicus und Parasympathicus. Wir wissen, dass die Nervenfasern des Sympathicus, die zwischen dem zentralen Nervensystem und der Niere vermitteln, eine zentrale Rolle in der Blutdruckregulation spielen. Wir wissen auch, dass ein therapieresistenter Blutdruck, der mit den herkömmlichen Maßnahmen nicht behandelbar ist, eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems besteht. Diese Nervenfasern laufen entlang der Gefäße und damit auch entlang der Nierenarterien hin zu den Nieren. Da setzt nun das neue Verfahren an.

rheinruhrmed: Wie gehen Sie vor?

Prof. Dr. med. Horlitz: Wir schieben einen langen, hauchdünnen Schlauch, den so genannten Ablationskatheter, bis zu den Nierenarterien vor. Dieser Katheter hat eine Elektrodenspitze, über die Hochfrequenzstrom an die Wand der Nierenarterien abgegeben wird. Es kommt also dort zu einer Erwärmung, die Nerven beeinflussen und gezielt schädigen kann. Vier bis sechs Ablationpunkte sind an der Wand anzusteuern.

rheinruhrmed: Wie sind die Ergebnisse?

Prof. Dr. med. Horlitz: Die ersten Patienten wurden 2007 behandelt. Die Ergebnisse seither zeigen, dass sich der Blutdruck auf diese Weise um 19-33 mm/Hg senken lässt.

rheinruhrmed: Das ist ja sehr beachtlich. Haben Sie nicht Sorgen, dass nun jeder Patient denkt, dass er sich doch lieber schnell die Nierenarterie abladieren lässt, bevor er sein Leben umstellt?

Prof. Dr. med. Horlitz: Nein, denn nicht jeder Patient ist geeignet für diese Therapie. Zunächst einmal muss ein Blutdruck dauerhaft über 160 mm/Hg erhöht sein, bei Diabetikern ist die Grenze etwas niedriger angesetzt, nämlich bei 150 mm/Hg. Es müssen mindestens drei Medikamente in voller Dosierung eingesetzt werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass der Patient die Therapie treu befolgt und nicht etwa eigenmächtig die Medikamente zwischendurch absetzt. Außerdem müssen andere, behandelbare Ursachen ausgeschlossen werden. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass die Nieren uneingeschränkt funktionieren müssen. Auch sollten die Nierenarterien anatomisch geeignet sein, also nicht etwa verengt oder verkalkt. Das muss vorher mit Ultraschall oder der Kernspintomographie untersucht werden.

rheinruhrmed: Ist die Heilung mit dem Nierenkatheter möglich?

Prof. Dr. med. Horlitz: Nein, das ist nicht möglich, denn der Bluthochdruck ist eine chronische, nicht heilbare Erkrankung. Ziel der Therapie ist vielmehr eine Absenkung der Therapie in den Normbereich, um Langzeitschäden an den Organen zu vermeiden.

- 22.01.13 -

(Quelle: Krankenhaus Porz am Rhein)


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