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Wenn sich eine Knieprothese oder Hüftprothese entzündet oder lockert: Prof. Lüring entwickelt international umgesetzten "Fahrplan" für Wechsel-Endoprothetik mit (Revisions-Operation) *

Christian Luering

Prof. Dr. med. Christian Lüring

Direktor der Klinik für Orthopädie
Klinikum Dortmund, Beurhausstr. 40,
44139 Dortmund, Tel.: 0231-953-21850

rheinruhrmed: Wie oft kommt es vor, dass ein einmal implantiertes Kunstgelenk aufgrund von Entzündung durch Bakterien oder einer Lockerung wieder ausgetauscht werden muss, also eine Revisions-Operation nötig wird?

Prof. Dr. Christian Lüring: Bundesweit liegt die Zahl etwa bei 0,5 bis 1,5 Prozent aller endoprothetischen Operationen. Wenn Sie allein bedenken, dass in Deutschland jährlich rund 300.000 künstliche Hüften implantiert werden, dann sind das etwa 1500 bis 4500 Patienten. Hinzu kommen noch mal weitere 750 bis 2250 Patienten, bei denen sich die Knieprothese entzündet hat.

rheinruhrmed: Was verursacht eine solche Entzündung? Sind es wieder mal die landläufig gefürchteten Krankenhaus-Keime?

Prof. Dr. Christian Lüring: Das mag vereinzelt vorkommen, aber in der Regel sind es eher banale Hautkeime. Und was Sie jetzt vielleicht etwas überraschen wird: Sogar entzündete Zähne oder vereiterte Mandeln können letztlich die Ursache sein.

rheinruhrmed: Was haben denn ein Zahn oder die Mandeln mit einer Knie- oder Hüftgelenksprothese zu tun?

Prof. Dr. Christian Lüring: Bei einer eitrigen Entzündung vermehren sich Bakterien, die normalerweise vom Immunsystem des Körpers bekämpft werden. Ist jedoch dieses System geschwächt, können die Keime über das Blut bis zum Kunstgelenk gespült werden. Dort siedeln sie sich insbesondere an den Implantaten an und richten ihr Unheil an. Dieser Prozess kann mitunter etwas dauern und sehr unterschiedlich Beschwerden machen.

rheinruhrmed: Das heißt, dass die Entzündung nicht unmittelbar nach Einbau des Kunstgelenks auftritt?

Prof. Dr. Christian Lüring: Das muss nicht sein, in der Tat. Es gibt statistisch gesehen zwei Zeiträume nach einer Endoprothesen-Operation, in denen das Risiko für eine Wechsel-Operation steigt: einmal nach zwei bis vier Jahren und dann noch einmal nach 12-15 Jahren.

rheinruhrmed: Warum kann denn eine derartige Entzündung an der Gelenkprothese nicht mit einem Antibiotikum behandelt werden?

Prof. Dr. Christian Lüring: Weil das bei dieser Art von Entzündung nicht ausreicht. Die Erreger bilden nämlich typischerweise einen Biofilm auf der Oberfläche des Implantats im Körper und schützen sich so vor dem Antibiotikum. Dadurch werden sie bis zu 1000 mal widerstandsfähiger gegenüber dem Antibiotikum.

rheinruhrmed: Wie gehen Sie vor, wenn Sie dann die entzündete Prothese austauschen?

Prof. Dr. Christian Lüring: Im Rahmen des ersten Teils der Wechsel-Operation wird das infizierte Kunstgelenk vom Knochen gelöst und

Wir gehen hier in Dortmund bei derartigen Wechsel-Operationen nach einem klar definierten Fahrplan vor, den ich im Rahmen meiner wissenschaftlichen Forschung mitentwickelt habe. Er wird mittlerweile an vielen Zentran als Standard verwandt.

rheinruhrmed: Wonach richtet sich dieser Fahrplan?

Prof. Dr. Christian Lüring: Dieser Fahrplan ist u. a. davon abhängig, um welchen Keim es sich handelt, wie lange die Infektion bereits andauert und wie fit der Patient ist.

rheinruhrmed: Sie sagten eben, dass es zu einer weiteren Häufung der Wechseloperationen nach etwa zehn Jahren kommt. Warum?

Prof. Dr. Christian Lüring: Wenn es nach dieser Zeit zu einer Entzündung im Gelenk kommt, dann ist diese meist durch eine Abnutzung oder Lockerung entstanden. Das ist wie bei einem Autoreifen: Irgendwann ist das Profil unter der täglichen Belastung abgefahren. Kommt es dabei zum Abrieb im Gelenk, löst dies eine Fremdkörper-Reaktion aus. Der Körper will über diese Entzündung, die ohne Bakterien abläuft den entstandenen Abrieb abtransportieren, doch ein Gelenk wie zum Beispiel das Knie ist ja ein geschlossenes System, ein Abfluss ist nicht möglich. Auch hier bleibt dann nur der Austausch der Prothese.

rheinruhrmed: Was raten Sie Patienten mit einem Kunstgelenk, wie sie sich hinsichtlich des Risikos einer Wechsel-Operation verhalten sollen?

Prof. Dr. Christian Lüring: Ich empfehle, nach einem Jahr, nach zwei Jahren, nach fünf Jahren und dann ab dem 10. Jahr jährlich zur Kontrolle der Prothese zu kommen. In erster Linie geht es dabei um einen Check der Stabilität des Gelenks. So können wir frühzeitig Veränderungen feststellen und entsprechend reagieren.

(Quelle: rrm)


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